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Ein paar Gedanken zum Thema Arbeit

Vor geraumer Zeit holte Daniel von iamdigital.de zu einem Rund­um­schlag zur Ar­beits­welt von heute aus. Er räumte mit ein paar Mythen auf, die Vor­ge­setz­te ihren Un­ter­ge­be­nen gerne erzählen. Zum Schluss stellte er die Frage "An welchen Orten bist du denn ganz besonders produktiv?". Eigentlich wollte ich ihm schon vor einer ganzen Weile auf diese Frage antworten, schob es jedoch immer vor mir her.

Da ich seit gestern nach zwei Monaten wieder einen Schreib­tisch in meinen eigenen vier Wänden habe und heute zu früh aufgewacht bin, möchte ich die Ge­le­gen­heit nutzen, endlich darauf zu antworten.

Die Frage nach dem "Wo" lässt sich relativ schnell be­ant­wor­ten. Ich kann produktiv arbeiten in Coworking Spaces, Cafès, daheim an meinem geliebten DIY-Steh­schreib­tisch (irgendwann baue ich mir mal einen hö­hen­ver­stell­ba­ren) oder in der Bahn, sei es jetzt morgens während der 20 Minuten auf dem Weg zur Arbeit oder auf längeren Bahn­fahr­ten. Es kommt bisweilen sogar vor, dass ich morgens eine Stunde früher fahre, um 10 Minuten mehr Zeit zu haben. Und ja, ich kann auch im Büro arbeiten. Aber lieber arbeite ich dort, wo ich es mir aussuchen kann. Das sind vorranging Cafès und Co­wor­kings­paces. Und natürlich dieser wun­der­schö­ne Steh­schreib­tisch Marke Eigenbau:

Ein Bild von meinem DIY-Stehschreibtisch. Man nehme: Einen normalen Schreibtisch und stelle da ein IKEA-Regal, auf dem vorher der Fernseher stand drauf. Um die optimale Höhe zu erreichen nutze ich ein paar DVD-Hüllen

Produktiv kann ich da arbeiten, wo ich meinen Laptop aufklappen und Musik hören kann. Internet und ein Tisch wären auch nett, sind aber nicht immer zwingend er­for­der­lich.

Viel wichtiger als der Ort sind für mich jedoch der Zeitpunkt und die Umstände. Ich habe zumindest bis Ende September noch einen 9-to-5-Job. Dann bin ich mit meinem dualen Studium fertig. Und wenn es nach mir geht, kann nicht schnell genug Ende September sein.

Ich habe fest­ge­stellt, dass ich nicht unbedingt produktiv zwischen 9 und 5 arbeite. Es gibt Tage, an denen das ei­ni­ger­ma­ßen klappt, ja. Es gibt aber auch Tage, und die treten wesentlich häufiger auf, da kann ich von 7 bis 9 morgens und von 6 bis 10 abends super arbeiten, häufig auch am Wochenende. Und das verträgt sich nicht unbedingt gut mit den festen Ar­beits­zei­ten. Treten diese Phasen an Ar­beits­ta­gen auf, dann kann es passieren, dass ich an diesem Tag nicht wirklich etwas schaffe. Ich bin kein Freund von Zwang, also will ich mich nicht zwingen lassen, exakt in diesem Moment produktiv zu sein. Dabei kommt ohnehin nur Murks raus.

Ich arbeite am liebsten dann, wenn ich meine Ruhe habe und für mich bin. Das bedeutet nicht unbedingt, alleine in einem Raum zu sitzen, sondern von außen nicht gestört zu werden. Dabei hilft mir Musik häufig. Zur Zeit sitze ich in einem Büro, in das laufend Menschen kommen, um Dinge aus Schränken zu nehmen. Das ist nicht unbedingt kon­zen­tra­ti­ons­för­dernd.

Ich arbeite gerne. Ich mag es, Dinge wachsen und werden zu sehen, wenn ich beim Wachsen und Werden mit­ar­bei­ten kann. Für meinen zu­kün­fit­gen Ar­beit­ge­ber bin ich wahr­schein­lich kein einfacher Ar­beit­neh­mer. Ich wünsche mir die Freiheit, selbst ent­schei­den zu dürfen, wann, wie lange und von wo aus ich arbeiten kann. Ich wünsche mir das für alle Menschen.

Am Donnerstag unterhielt ich mich mit jemandem über das Thema Ar­beits­zei­ten. Dabei brachte mich dieser Mensch auf den Aspekt, dass andere neidisch werden, wenn ich zwar um 22:00 ins Büro kommen würde, aber morgens gehe, wenn sie kämen. Für diese Menschen sehe das dann so aus, als hätte ich nicht garbeitet. Das war ein Punkt, der an mir bisher vollkommen vorüber gegangen ist. Ich finde nicht, dass Neid hier ge­recht­fer­tig wäre. Wir alle hätten die gleiche Mög­lich­keit, unsere Ar­beits­zeit unserem Leben anzupassen. Würde sich jemand ungerecht behandelt fühlen, sollte das natürlich auf den Tisch. Aber das ist ein anderes Thema.

Arbeit ist nicht alles. Ich will mein Leben nicht der Arbeit un­ter­ord­nen, sondern meine Arbeit meinem Leben. Als ich das vor etwas mehr als einem halben Jahr meinem damaligen Betreuer gesagt habe, schaute er mich sehr miss­trau­isch an. Damit kann ich dann aber auch leben. Und arbeiten.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Ge­heim­­diens­­te zerstört werden müssen.

Nachtrag

Bei Marc kam ich über Maik auf eine schöne Infografik, die sich mit dem Thema Home Office - Fluch oder Segen? beschäfigt.

Noch ein Nachtrag

Mir flatterte gerade ein Interview mit Sascha Pallenberg durch die Twitter-Timeline. Vom Werbekram mal abgesehen sagt er ein paar sehr in­ter­es­san­te Sachen zum Thema Ar­beits­platz der Zukunft und Work-Life-Balance.

So in­di­vi­du­ell wie wir als Person sind, so in­di­vi­du­ell sind für uns auch die optimalen Ar­beits­be­din­gun­gen.

In­ter­es­sant in diesem Zu­sam­men­hang ist sicherlich auch "Das Manifest des neuen Arbeitens". Auch wenn ich nicht allem zustimme, so ist es doch lesenswert.

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