bullshit

Angst

Gestern schrieb ich, was ich als iOS-Entwickler verdiene. Vor geraumer Zeit überlegte ich mir, dass ich gerne nicht mehr Vollzeit, sondern nur noch Teilzeit arbeiten würde. Das habe ich heute in die Wege geleitet, ich werde ab dem 1.1. nur noch vier Tage die Woche arbeiten. Gestern rechnete ich durch, was ich dann im Monat noch netto verdiene, meine erste Reaktion war ein 😱

Ich war ein bisschen überrascht und bekam tat­säch­lich ein bisschen Angst. Aber diese Angst legte sich, nachdem ich mich näher mit ihr be­schäf­tig­te. Ich hätte jederzeit die Option, wieder auf eine Voll­zeit­stel­le zu wechseln. Außerdem wäre der Tausch Zeit gegen Geld doch wahrlich kein schlechter. Die Angst ließ mich aber auch über Angst nachdenken. Angst ist in erster Linie ja nichts schlechtes. Sie ist nützlich. Sie ist da, weil unser Körper unser Bestes will (okay, er will uns zumindest nicht tot sehen).

Als ich noch in der Ausbildung war, hatten wir einen Tep­pich­bo­den im Büro, an dem man sich im Laufe des Tages statisch auflud. Fasst man dann an die Türklinke, bekam man eine gewischt. Das war nicht schön, weil man relativ oft an diese Türklinge fasst. Du willst auf die Toilette? Okay, aber erst bekommst Du eine gewischt. Du willst in die Mit­tags­pau­se? Gerne, aber vorher bekommst Du eine gewischt. Feierabend und Du willst gehen? Geh ruhig, aber vorher bekommst Du noch eine gewischt.

Man gewöhnt sich sehr schnell an so etwas und das wirklich Un­an­ge­neh­me ist, dass man nicht um diese Situation herumkommt. Du weißt, dass Du eine gewischt bekommst, wenn Du an diese verdammte Türklinke fasst und Du kannst dieser Situation nicht entkommen.

Eine andere Art von Angst hatte ich, als ich Beatrix von Storch damals in Eppelheim Fragen stellte. Ich zitterte am ganzen Körper. Aber ich wollte diese Angst nicht zulassen, ich wollte ihr wi­der­ste­hen. Ich wollte diesen Menschen, die mich anschrien, zeigen, dass ich zwar Angst vor ihnen hatte, aber diese Angst nicht siegen lassen würde.

In Folge dieser Gedanken dachte ich auch darüber nach, was mir aktuell sehr viel Angst macht. Eine große Angst ist bei­spiels­wei­se, auf einmal kein Geld mehr zu verdienen, keine Er­werbs­ar­beit mehr zu haben. Wie solle ich meine Miete bezahlen? Wovon soll ich leben?

Dass ich (wohl relativ schnell) einen neuen Ar­beits­platz finden würde, ist egal. Dass ich nicht verhungern muss, ist egal. Es macht mir Angst. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Angst viel von ihrem Schrecken genommen wird, wenn man sich näher mit ihr befasst. Es ist also eher eine Angst vor dem Un­be­kann­ten, vor dem nicht wissen, was kommen wird. Vielleicht sollte ich kündigen. Oh boy.

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