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Auf der Rückfahrt vom Barcamp Rhein-Main

An diesem Wochenende findet in Wiesbaden das dies­jäh­ri­ge Barcamp Rhein-Main statt. Der Samstag war auf jeden Fall toll, gutes Essen, tolle Leute, in­ter­es­san­te Sessions -- alles gut also. Auf der Rückfahrt gab es im Zug eine Fahr­schein­kon­trol­le. Ein Mensch fand seinen Fahrschein nicht, durch­wühl­te dabei seinen Rucksack. Dabei ver­si­cher­te er in ge­bro­che­nen Deutsch, dass er einen Fahrschein hätte und wenn er ihn jetzt nicht finden würde, notfalls auch gerne einen neuen kaufen würde. Der Zug­be­glei­ter wurde immer nervöser und irgendwann laut.

Der Mensch suchte und suchte und fand nicht und fand nicht. Der Zug­be­glei­ter verlangte dann nach dem Ausweis. Die einzige Al­ter­na­ti­ve für ihn war es, den Menschen mithilfe eines zufälligen anwesenden Polizisten an der nächsten Hal­te­stel­le aus dem Zug zu werfen. Daran, dass der Mensch vielleicht wirklich einen Fahrschein hatte und ihn einfach in den Untiefen seines Rucksacks nicht fand, daran dachten weder Polizist noch Zug­be­glei­ter. Nein, für sie stand fest, dass der Mensch ohne Fahrschein unterwegs war. Mir war es unangenehm, wie sich der Zug­be­glei­ter verhielt, deshalb fragte ich einfach mal nach. Notfalls würde ich auch gerne die paar Euro neunzig für diesen Menschen übernehmen, das sei doch alles gar kein Problem.

Sofort schaltete sich lautstark ein weiterer, bis dahin Un­be­tei­lig­ter ein. Für ihn war auch klar, dass Menschen grund­sätz­lich immer betrügen. Dass dieser Mensch aber ganz sicher keinen Fahrschein dabei hätte. Was diesen Gutmensch denn immer einfallen würde, die sich für andere einsetzen würden und ein paar Be­lei­di­gun­gen flogen dann auch noch durch den Raum.

Kurze Zeit später fand der Mensch dann sein Ticket und der Zug­be­glei­ter war zufrieden. Der Mensch fluchte dann vollkommen nach­voll­zieh­bar auf seiner Mut­ter­spra­che, während der Zug­be­glei­ter für die restliche Zugfahrt mit dem Polizisten scherzte. Die Ti­cket­kon­trol­le war aber für den restlichen Zug beendet. Als der Dritte dann ausstieg, hielt er mir freundlich den Zei­ge­fin­ger unter die Nase. Ich solle gefälligst aufpassen. Worauf, das sagte er mir dann nicht mehr. Als ich dann ebenfalls ausstieg, schwärmte der Zug­be­glei­ter einem Kollegen vor, wie toll er sich doch durch­ge­setzt hätte und dass die Drohung, den Menschen aus dem Zug zu werfen, den Fahrschein zutage brachte.

Ich denke seitdem das gestern passiert ist drüber nach. Warum?

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