bullshit

waschsalon

urlaub. endlich raus. raus aus der stadt. raus aufs land. alles geplant, kaum etwas gebucht. nur die hinfahrt, geplant ist eine kleine rundreise. klamotten für ein paar tage, denn: geplant ist, bei freun­d*in­nen zu waschen. die freun­d*in­nen fallen aus. corona. gut, dass ich nichts gebucht habe, also plane ich anders, fahre anders, buche anders als geplant. raus aus dem land, das ist nichts für mich. rein in die stadt.

das ungelöste problem der un­ge­wa­sche­nen wäsche aber bleibt. sonntag, google maps, waschsalon. es gibt sie, aber es gibt ein problem: sonntags haben sie ge­schlos­sen. also montag morgen. vorbei am späti, an­schlies­send mit einer mate — man soll ja immer das gute sehen, auch in dieser scheiß gen­tri­zi­fie­rung — und einer zeitung in den waschsalon direkt nebenan. nur barzahlung, aber das stand ja schon im internet.

waschen drei fünfzig, trocknern einst ein euro für fünfzehn minuten. jetzt sind es drei. wasch­mit­tel fünfzig cent, aber der kas­sen­au­to­mat schluckt die münze ohne wasch­mit­tel aus­zu­spu­cken. ich bin mit diesem problem nicht alleine, aber überrascht, wie viele leute montag morgen im waschsalon sind.

also spreche ich eine person an, die ihr eigenes wasch­mit­tel dabei hat. sie ist meine rettung, sie teilt und hilft. ich danke ihr herzlich. die nächste halbe stunde sitze ich mangels al­ter­na­ti­ver sitz­ge­le­gen­heit auf einer wasch­ma­schi­ne, lese zeitung, trinke mate. ab und zu versucht eine andere person, ein gespräch aufzubauen, wir tauschen ge­sprächs­fet­zen. soll ich ihr sagen, dass ich nicht gut mit menschen kann, vor allem small talk?

der andere waschsalon um die ecke wäre viel besser und ge­müt­li­cher aus­ge­stat­tet, mit or­dent­li­chen sitz­ge­le­gen­hei­ten, meint sie, aber wahr­schein­lich deshalb voller. keine maschine frei. wir sind beide zum ersten mal hier, sie aber auch nur, weil ihre wasch­ma­schi­ne kaputt ist und sie sich keine neue leisten kann. und dann wäre da noch die lieferung, vierter stock, kein aufzug, siebzig euro. wir witzeln, dass wir kündigen und einen waschsalon aufmachen. scheint sich ja zu rechnen.

ein weiteres mal wird mir bewusst, wie teuer es ist, arm zu sein, wie viel mehr man relativ und absolut bezahlen muss, wenn nicht genug geld vorhanden ist. eine eigene wasch­ma­schi­ne rechnet sich relativ schnell, während mich jeder besuch in diesem salon schnell mal zehn euro oder mehr kosten kann. aber der markt regelt und er ist gnadenlos. nein. der mensch regelt und er ist gnadenlos.

meine wasch­ma­schi­ne ist fertig. ich fülle die wäsche in den trockner. fünfzehn minuten. drei euro. weiter mit der zeitung. nach fünfzehn minuten ist die wäsche noch nicht ganz trocken. weitere fünfzehn minuten. weitere drei euro. ich fühle kaum etwas.

die andere person fragt, ob ich ihr einen schein klein­ma­chen könne. sie müsse noch trocknern. kann ich nicht, aber ich kann ihr das fehlende geld auch einfach geben. so wie mir mit wasch­mit­tel geholfen wurde. wenn der ka­pi­ta­lis­mus nicht zuschaut, teilt man einfach. ist da etwas wärme, wut?

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