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Gäste beim Codestammtisch

Seit bald zwei Jahren und rund 40 Folgen podcaste ich mit einem guten Freund beim Codestammtisch. Bei den meisten meiner Jobs habe ich es nicht so lange ausgehalten. Und größtenteils nehmen Max und ich den Podcast alleine auf, von einigen Ausnahmen abgesehen.

Auf rund 40 Folgen kommen rund sechs Gäste, fast alles weisse Typen. Das würde ich gerne ändern. Wir hatten zwar vor einiger Zeit schon mal den einen oder anderen Aufruf gestartet, dass wir uns gerne mehr mit nicht-weißen hetero Cis-Dudes unterhalten möchten — und das gilt immer noch!

Du bist kein weißer Cis-Dude und hast ein Thema, über das du gerne mal beim Codestammtisch reden möchtest? Wir fühlen uns geehrt und können es kaum erwarten, von dir zu hören oder zu lesen. Oder du bist kein weißer Cis-Dude und hast kein Thema, aber würdest trotzdem gerne mal in unserem Podcast zu Gast sein? Auch dann fühlen wir uns geehrt und freuen uns, wenn du dich bei uns meldest 🙂 Wir finden dann sicherlich gemeinsam etwas.

In beiden Fällen gilt: Du bestimmst das Thema und hast das letzte Wort. Vor einiger Zeit habe ich in einem Handout mal grob aufgeschrieben, was es bedeutet, bei uns zu Gast zu sein. Dabei ist ein PDF entstanden, das du hier findest und das dir hoffentlich einen ersten Eindruck vermittelt 🙂

Und jetzt du?

Du hast Lust, dich mit uns zu unterhalten? Oder eine Frage? Dann schreib uns einfach, eine kurze Nachricht genügt! Du erreichst uns am besten per Mail an hallo-at-codestammtis.ch, per DM an @codestammtisch bei Twitter.

Ich freue mich darauf, von dir zu lesen 🙂

Weniger Angst, mehr Mut

Einer meine Vorsätze für 2019 lautete: Weniger Angst, mehr Mut. Ich kann nicht sagen, in wieweit ich mich an diesen Vorsatz gehalten habe. Was aber relativ schnell kam, war die Erkenntnis, dass ich ein ziemlich großer Schisser bin.

Nächstes Jahr wird es dann wohl besser: Weniger Angst, mehr Wut.

Auf der Rückfahrt vom Barcamp Rhein-Main

An diesem Wochenende findet in Wiesbaden das diesjährige Barcamp Rhein-Main statt. Der Samstag war auf jeden Fall toll, gutes Essen, tolle Leute, interessante Sessions -- alles gut also. Auf der Rückfahrt gab es im Zug eine Fahrscheinkontrolle. Ein Mensch fand seinen Fahrschein nicht, durchwühlte dabei seinen Rucksack. Dabei versicherte er in gebrochenen Deutsch, dass er einen Fahrschein hätte und wenn er ihn jetzt nicht finden würde, notfalls auch gerne einen neuen kaufen würde. Der Zugbegleiter wurde immer nervöser und irgendwann laut.

Der Mensch suchte und suchte und fand nicht und fand nicht. Der Zugbegleiter verlangte dann nach dem Ausweis. Die einzige Alternative für ihn war es, den Menschen mithilfe eines zufälligen anwesenden Polizisten an der nächsten Haltestelle aus dem Zug zu werfen. Daran, dass der Mensch vielleicht wirklich einen Fahrschein hatte und ihn einfach in den Untiefen seines Rucksacks nicht fand, daran dachten weder Polizist noch Zugbegleiter. Nein, für sie stand fest, dass der Mensch ohne Fahrschein unterwegs war. Mir war es unangenehm, wie sich der Zugbegleiter verhielt, deshalb fragte ich einfach mal nach. Notfalls würde ich auch gerne die paar Euro neunzig für diesen Menschen übernehmen, das sei doch alles gar kein Problem.

Sofort schaltete sich lautstark ein weiterer, bis dahin Unbeteiligter ein. Für ihn war auch klar, dass Menschen grundsätzlich immer betrügen. Dass dieser Mensch aber ganz sicher keinen Fahrschein dabei hätte. Was diesen Gutmensch denn immer einfallen würde, die sich für andere einsetzen würden und ein paar Beleidigungen flogen dann auch noch durch den Raum.

Kurze Zeit später fand der Mensch dann sein Ticket und der Zugbegleiter war zufrieden. Der Mensch fluchte dann vollkommen nachvollziehbar auf seiner Muttersprache, während der Zugbegleiter für die restliche Zugfahrt mit dem Polizisten scherzte. Die Ticketkontrolle war aber für den restlichen Zug beendet. Als der Dritte dann ausstieg, hielt er mir freundlich den Zeigefinger unter die Nase. Ich solle gefälligst aufpassen. Worauf, das sagte er mir dann nicht mehr. Als ich dann ebenfalls ausstieg, schwärmte der Zugbegleiter einem Kollegen vor, wie toll er sich doch durchgesetzt hätte und dass die Drohung, den Menschen aus dem Zug zu werfen, den Fahrschein zutage brachte.

Ich denke seitdem das gestern passiert ist drüber nach. Warum?

Literaturcamp Berlin 2019

Irgendwann vor Ewigkeiten folgte ich mal Sascha Pallenberg auf Twitter. Und irgendwann später ging er mir mit seinen von hier und da geklauten Bildern auf die Nerven und ich entfolge ihm wieder. Keine Ahnung, ob er das immer noch tut, aber darum soll es nicht gehen. Es soll um Barcamps gehen.

Seit 2013 besuche ich Barcamps. Keine Ahnung, wieviele da inzwischen zusammengekommen sind. Ich mag den Austausch auf Barcamps, dieses Über-den-Tellerrand-Gucken. Und den Umgang miteinander. Dass vieles nach Zukunft riecht und Ideen. Und seit 2015 bin ich selbst in der Orga von Barcamps involviert.

Sascha ist offenbar auch ein Freund von Barcamps. Irgendwann hielt er auf dem Mobilecamp Dresden mal eine Keynote und vor einigen Tagen schrieb er bei t3n:

Diese wunderbaren „Unkonferenzen“, deren Dynamik und thematische Bandbreite schon bei der morgendlichen Sessionplanung eine Herausforderung für den eigenen Horizont darstellen.

und

Barcamps, das sind Wissenscommunitys ohne Profitdenken. Veranstaltungen, für die sich Menschen an einem Sonntag um 6 Uhr aus dem Bett schälen und oft Hunderte Kilometer fahren, damit sie mit anderen ihr Wissen teilen können. Kostenlos und ohne, dass sie dafür eine Gegenleistung erwarten. Mitbringpartys, die von ihren Teilnehmern und nicht von Predigten aus der Kanzel herab leben.

Er beschreibt ziemlich gut, was er an Barcamps mag und was ich an Barcamps so toll finde. Und auch, was wir mit der Orga vom Literaturcamp Berlin erreichen wollen. Das #litcampBER ist ein Barcamp mit dem Themenschwerpunkt Literatur — wie die in Heidelberg oder Hamburg eben auch.

Wir wollen — und können — keine Buchmesse sein, keine Love Letter Convention, keine Buch Berlin. Wir wollen keine kommerzielle Veranstaltung sein, zu der Menschen kommen, weil sie dort Bücher kaufen und Autogramme abstauben können. Wir wollen, dass sie ihr Wissen teilen. Lernen. Mit Menschen reden. Auf Augenhöhe. Ohne Diskriminierung. Ohne Faschos. Auch wenn es ein Schwerpunktthema gibt, heisst das nicht, dass andere Themen nicht willkommen sind, ganz im Gegenteil!

Wir wollen, dass alle, die teilnehmen wollen, teilnehmen können. Es reicht nicht fürs Ticket? Egal, hier hast du einen Gutschein und du zahlst halt, was geht. Und wenn nichts geht? Dann halt nichts, komm trotzdem rum! Die Location ist ebenerdig zugänglich. Du ernährst dich vegan? Es wird veganes Catering geben. Und ein Abendprogramm mit Popcorn.

Das Ganze kostet Geld. Einen Teil bezahlen die Teilgeber*innen, indem sie Tickets kaufen. Einen Teil steuern Sponsor*innen wie die Leipziger Buchmesse bei und den Rest, den fangen wir als Orgateam ab. Weil wir an die Idee glauben. Weil wir es großartig finden, wenn Menschen sich austauschen. Weil wir ein bisschen Zukunft schnuppern wollen.

Und jetzt darf Sascha nochmal was sagen:

[...] genau deshalb appelliere ich gerne an euch, Barcamps zu unterstützen. Ob in der Orga, als Teilnehmerinnen und Teilnehmer, oder aber natürlich als Sponsor.

Von daher: Am 9.11. und 10.11. findet in der Schule für Erwachsenenbildung das besagte Literaturcamp Berlin 2019 statt. Überlegt euch, ob das etwas für euch ist. Und wenn ja:

Klickt euch ein Ticket, unterstützt uns als Sponsor. Es zeichnet sich ab, dass es eher eine kleine Veranstaltung wird. Die gute Nachricht: Das heisst, dass der Austausch intensiver wird, weil man mehr Zeit für die Menschen hat. Wir freuen uns über jede Nase, die dabei ist.

Desktop-class Computing

Ich habe mir vor ein paar Tagen einen Lightning auf USB 3 Kamera-Adapter gekauft und ich hatte Großes damit vor:

  1. Podcasts aufnehmen.
  2. Auf Bahnfahrten Serien vom USB-Stick schauen.
  3. There’s no 3.

Ich steckte den Adapter also an das iPad und sah, dass der Adapter sich updaten wollte:

Ein Screenshot vom iPad-Bildschirm, dass es ein Update für den Adapter gibt

Ich war kurz überrascht, dann begeistert und dann überrascht, dass da offenbar so viel Technik drinsteckt, dass Updates möglich — und notwendig — sind. Irgendwann am nächsten Tag stöpselte ich dann endlich den USB-Stick an das iPad, doch es funktioniert immer nicht. Ich müsste zusätzlich auch noch das Ladegerät anschliessen, weil es sonst nicht genug Strom gäbe.

Das ist ein bisschen schade, denn bisher schätzte ich am iPad doch sehr, dass ich es überall mit hinnehmen kann, mal mit, mal ohne Bluetooth-Tastatur. Dass ich das iPad nur mit USB-Geräten nutzen kann, wenn da gleichzeitig eine Steckdose ist, finde ich etwas schade — so hatte ich mir das nicht vorgestellt. Denn was mache ich, wenn die Steckdose im Zug belegt ist? Oder es einfach keine gibt?

Da kann ich ja eigentlich auch daheim an meinem Schreibtisch sitzen und an einem Desktoprechner arbeiten. Das hat die gleiche Flexibilität.

Berlkönig

Am letzten Wochenende habe ich den Berlkönig ausprobiert. Das ist ein Ride-Sharing-Angebot der BVG, das sich seit einem Jahr in einer Testphase befindet und somit nur einen bestimmten Bereichs Berlin bedient. Zu meinem eigenen Glück/Pech wohne ich knapp außerhalb dieses Bereichs.

Das Prinzip ist dem von Uber nicht ganz unähnlich: Ich lade mir eine App herunter und gebe an, mit wievielen Fahrgästen ich von wo nach wo gefahren werden möchte. Dann bietet mir die App zwei mögliche Fahrten an, beispielsweise in 5 und in 15 Minuten. Anschließend sehe ich, was mich der Spaß kostet und kann direkt buchen — gezahlt wird per PayPal.

Und dann muss ich einfach nur noch zur vereinbarten Zeit am vereinbarten Treffpunkt stehen, werde abgeholt und zu meinem Ziel gebracht. Auf dem Weg können noch weitere Fahrgäste zusteigen, aber ich komme in absehbarer Zeit an meinem Ziel an.

Bisher bin ich zwei Mal mit dem Berlkönig gefahren, die jeweils pro Fahrt für zwei Personen rund neun Euro gekostet haben. Die gleiche Strecke vom Prenzlberg in die Stadt hätte mit einem Taxi jeweils knapp 15 Euro gekostet. Apropos Taxis: Im Gegensatz zu Taxifahrer*innen auf Berliner Strassen fuhren die Fahrer*innen vong Berlkönig wesentlich entspannter und waren auch sonst viel freundlicher. Taxifahrer*innen rasen mehr. Als ich am Abend vorher mit einem Taxi gefahren bin, hat der Fahrer die ganze Zeit über Fahrradfahrer*innen hergezogen. Das war dann doch eher etwas unangenehm, zumal ich da gerade mit zwei Falträdern im Taxi saß.

Beide Male saßen wir bei den Fahrten mit dem Berlkönig in Vans von Mercedes, einmal sogar in einem Elektroauto. Für mich war das erste Fahrt in einem Elektroauto überhaupt und ich muss gestehen, dass ich doch positiv überrascht war. Wie leise die Dinger sind. Und wie wenig man das Ruckeln des Verbrennungsmotors spürt. Was ich ein bisschen schade fand ist, dass nie andere Menschen zustiegen.

Smart waren die Push-Notifications. Vor der Fahrt wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass mein Berlkönig bald am vereinbarten Treffpunkt angekommen würde und auch am Ende der Fahrt kam ein entsprechender Hinweis, damit ich auch ja nichts im Fahrzeug vergesse. Clever!

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich es entspannter fand, als mit dem Taxi zu fahren — und da bin ich wohl nicht der Einzige. Etwas günstiger war es obendrein ebenfalls. Ich muss allerdings dazusagen, dass ich mit meiner einen Taxifahrt im Jahr wahrscheinlich nicht unbedingt die Zielgruppe bin — das ist mir der Spaß auf Dauer doch einfach zu teuer. Für mich werden Fahrten mit dem Berlkönig wohl die Ausnahme bleiben, zumal es in Berlin einen tollen Nahverkehr gibt. Unter anderem von der BVG.

Ich finde es ganz unabhängig vom Service ein bisschen schade, dass die Berlkönige da unterwegs sind, wo es eh schon guten Nahverkehr gibt. Warum nicht ein bisschen weiter außerhalb?

Das Faltrad, das Tilt 500 und ich

Ich fahre gerne Fahrrad. Das ist so viel entspannter als ÖPNV und Auto fahren. Vor ein paar Monaten lachte ich mir Call-a-Bike und Nextbike und Wiesienichtalleheißenbike an, weil ich morgens und abends genug davon hatte, auf die Straßenbahn angewiesen zu sein. Die hatte eh immer Verspätung und wenn ausnahmsweise mal nicht, hatte ich so wenig Umsteigezeit, dass ich rennen musste. Und außerdem fahre ich halt einfach gerne Fahrrad.

Der Nachteil vom Bike Sharing war nur, dass es morgens auch ein Bike zum Sharen geben muss. Zwar gibt es in kurzer Entfernung eine Station, an der ich Fahrräder ausleihen und zurückgeben kann, nur stehen die Fahrräder in der Praxis meistens woanders, weil diese Station auf einem Hügel liegt.

Bike Sharing linderte also manchmal mein Problem, aber es löste es nicht. Ich musste trotzdem oft genug die Straßenbahn nehmen. Vor rund einem Monat habe ich mir deshalb ein günstiges Faltrad gekauft. Ich habe schon länger mit dem Gedanken geliebäugelt, aber die waren immer so teuer. Schlussendlich ging ich dann, weil ich die Faxen dicke hatte, zur nächsten Decathlon-Filliale und nahm so ein Ding mitsamt farblich passendem Helm mit.

Im Folgenden möchte ich auf zwei Punkte eingehen:

  1. Ich möchte kurz meine Erfahrungen mit dem Prinzip Faltrad aufschreiben.
  2. Danach werde ich ein paar Worte zum Btwin Tilt 500 von Decathlon verlieren und begründen, warum ich es mich nicht überzeugt hat. Achtung, Spoiler: Es hat mich nicht überzeugt.

Das Prinzip Faltrad

tl;dr: Überzeugt. Restlos überzeugt.

Laut Wikipedia ist ein Faltrad:

[…] ein Fahrrad, das über konstruktive Vorrichtungen wie Scharniere, Kupplungen und/oder Schnellspanner verfügt, die es erlauben, das Rad schnell und einfach auf ein so geringes Packmaß zusammenzufalten oder zu zerlegen, dass es als Gepäckstück in einem anderen Verkehrsmittel mitgenommen werden kann

Das Tilt war mein erstes Faltrad. Die Vorstellung, unabhängiger zu sein und vor allem immer ein Fahrrad dabei zu haben, das klang einfach zu verlockend. Habe ich erwähnt, dass ich auch einfach gerne mit dem Rad fahre?

Das Prinzip Faltrad hat mich von Anfang an überzeugt. Es ist das bisschen mehr Mobilität, das fehlt, wenn ich mit der Bahn nicht mehr weiterkomme — auch in der Vorpommerschen Pampa. Es ist das morgens 10 Minuten länger schlafen, weil ich nicht auf den ÖPNV angewiesen bin, um zum Bahnhof zu kommen. Es ist ein Immer-dabei-Rad, mit dem ich schon sehr schnell viel schneller als zu Fuß bin.

Seitdem ich seit rund einem Monat ein Faltrad habe, pendle ich täglich drei Kilometer hin, drei Kilometer zurück und fahre gelegentlich mal 20 Kilometer an einem Abend. Durch das Rad konnte an einem Montag Morgen um fünf mal fix spontan einfach zu einem anderen Berliner Bahnhof zu fahren, weil die Bahn ebenso spontan beschlossen hatte, den Zug von besagtem anderen Berliner Bahnhof fahren zu lassen. Ausserdem bin ich damit auch mal an einem Wochenende eineinhalb Stunden durch das Vorpommersche Hinterland gefahren, weil ich nicht um Hilfe bitten und mit dem Auto vom Bahnhof abgeholt werden wollte.

Summa summarum kamen dabei bestimmt irgendwas zwischen 200 und 300 Kilometern zusammen. So ganz genau kann ich das gar nicht sagen, weil ich nicht immer meine Smartphone-Tracker-App mitlaufen ließ. Ich war in Mannheim, Heidelberg, Frankfurt, Berlin, Darmstadt, Mecklenburg-Vorpommern und in jeder Menge Züge mit dem Rad.

Ein Fahrrad quasi immer in sprichwörtlicher Griffweite, das ist einfach toll.

Das Tilt 500

tl;dr: kthxbye.

Ich habe mir die ganze Zeit eingeredet, dass meine Anforderungen an ein Fahrrad gar nicht so hoch sind. Was soll es machen? Es soll mir helfen, mich sicher und schneller als zu Fuß von A nach B zu bringen.

Das Tilt 500 tut das. Aber es tut das nicht gut. Es ging dabei auch schon gut los:

Am Abend des Tages, an dem ich es gekauft habe, löste sich gleich mal eine der Bremsen, während ich fuhr. Gut, dachte ich, biste selber schuld, wenn du auf sowas auch nicht achtest, sondern darauf vertraust, dass die Menschen im Laden schon alles richtig gemacht haben. Ich kam also zum Stehen, stieg ab, fing an zu schieben und entdeckte zwei Strassen weiter einen Brompton-Laden. Die liehen mir dankenswerterweise einen 5er-Inbus, mit dem ich die Bremse wieder festzog und weiter ging’s. Dass die Bremsen schon im Laden quietschten und das seit einem Monat nicht signifikant besser geworden ist, darauf möchte ich gar nicht eingehen. Die Bremsen quietschen aber seit einem Monat und es ist einfach nicht besser geworden, obwohl sich das laut Aussage eines Mitarbeiters sehr schnell bessern würde. Ausserdem sind sie nicht wirklich gut eingestellt.

Hier schleift es an dem Rad und da wackelt es und dort quietscht es und so langsam glaube ich, dass ich tatsächlich zu hohe Erwartungen an das Tilt 500 hatte. Viele Teile machen den Eindruck, dass sie nicht sonderlich lange halten werden. Schon vor rund einem Monat machte mich jemand darauf aufmerksam. Insgesamt hat das Rad bei mir den Eindruck hinterlassen, dass ich mich nicht auf es verlassen kann und das finde ich schade.

Ist es zuviel verlangt, dass ein Rad zumindest grundlegend in Ordnung ist?

Von der peinlichen Geschichte mit der Bremse mal abgesehen, ging es eigentlich relativ vielversprechend weiter: Am Wochenende bezwang ich dann die Pampa und das hat auch erstaunlich gut geklappt. Zwar konnte ich mit dem Rad trotz sieben Gängen nicht sonderlich schnell fahren, aber ich konnte dieser erzwungenen Entschleunigung doch etwas abgewinnen. So gurkte ich also durch Angela Merkels Wahlkreis, sah Störche und Windräder und fuhr so vor mich hin auf einem gut asphaltierten Radweg.

Faltrad im Zug

Mit seinen rund 13 Kilo ist das Rad jetzt wahrscheinlich weder besonders leicht noch schwer, aber es ließ sich zumindest über kurze Strecken doch angenehm tragen. Laut der Decathlon-Seite soll man es auch komfortabel schieben können, aber das habe ich nie wirklich auf die Reihe bekommen.

Zusammengefaltet ist es zumindest so groß, dass ich es im Zug mitnehmen kann, aber immer noch relativ breit und sperrig. Was mir tatsächlich wirklich gut gefallen hat, war der Faltmechanismus. Das Tilt 500 fahrbereit beziehungsweise tragefähig zu machen ging dank der Spanner relativ schnell. Mit relativ schnell meine ich ungefähr 10 Sekunden.

Alles in allem reicht es aber nicht — das Rad hat mich einfach nicht überzeugt. Es sind zu viele negative Kleinigkeiten und zu wenig Positives, um dem Rad doch nochmal eine Chance zu geben. Ausserdem laufen die 30 Tage ab, in den das Rad mich entweder begeistert oder ich es zurückgeben kann. Zwar brachte es mich von Hintertupfingen nach Hinterhintertupfingen, aber für den Alltag — und dafür war es eigentlich gedacht — hat es nicht gereicht.

Trotzdem hat es sich durchaus gelohnt, denn jetzt weiß ich, dass ich und der Faltradlifestyle einfach wie füreinander gemacht sind. Danke dafür.

Barcamp Rhein-Neckar 2019

Als ich gemeinsam Juna 2013 zu meinem ersten Barcamp in Dieburg ging, war ich angefixt. Als ich dann irgendwann mein erstes Barcamp organisierte, hat sich mein Verhältnis zu Barcamps geändert: Ich konnte Barcamps nicht mehr so genießen, wie mein erstes, weil ich sie immer irgendwie auch aus der Orga-Rolle sah, anstatt mich darauf einzulassen.

An diesem Wochenende war das irgendwie anders. An diesem Wochenende besuchte ich das Barcamp Rhein-Neckar, das nach 2015, 2016 und 2018 zum vierten Mal stattfand.

Wie üblich gab es eine breite Palette an Themen, die besprochen, diskutiert und über die sich bisweilen auch gestritten wurde. Auch abseits der Themen war es eine sehr liebevolle Veranstaltung mit veganem Catering, Unisex-Toiletten, Waffeln, gemeinsame Kinect-Spielen, Becherparkplatz...

Das #bcrn19/#bcrn hat mich daran erinnert, was ich an Barcamps so großartig finde: Die Menschen, die Ideen, den Austausch. Ich konnte mich gut darauf einlassen. Das waren zwei Tage Inspiration in Reinform. Dafür kann ich nicht genug bedanken. Was mir gerade am BCRN besonders gefällt, ist die Wärme, die Herzlichkeit. Dadurch, dass es klein ist, kann man sich umso intensiver mit den Menschen und den Themen befassen. Einfach toll!

Solche Veranstaltungen wie eben das Barcamp Rhein-Neckar zeigen mir, wie geil diese Welt sein kann, sie lassen mich träumen, sie lassen mich wütend werden und ungeduldig und aktiv. Man könnte fast sagen, dass ich sie wie die Luft zum Atmen brauche und ohne mittlerweile verkümmern würde — ich würde nicht widersprechen.

Vielen Danke an die Orga, die Sponsoren, die Teilnehmer*innen und -geber*innen. Der Blues wird heftig dieses Jahr.

Foto-FOMO-Globuli

Im November 2018 führte eine Schülerzeitung ein Interview mit einem alten weißen Mann. Und im Moment ein Buch eben jenes alten weißen Mannes, der unter akuter Katastrophen-FOMO leidet. Sie treibt ihn an. Es ist so ein Buch, das wohl nur von alten weißen Männern geschrieben — und gelesen — werden kann. Sehr ruhig, ziemlich distanziert beschreiben, während man einfach einen Job erledigt und ein schlechtes Gewissen hat, dass man die Welt nicht retten kann. Also auch ein bisschen emotional.

Dann kam ich irgendwie in die Bildergalerie meines Smartphones — mich starren 8147 Fotos an. Das war heute morgen, mittlerweile dürften es eher 16294 sein, täglich werden es mehr. Das Älteste der Bilder ist vom 19. Juni 2015. Was davor war? Keine Ahnung.

Ich scrolle ein bisschen durch die Bilder und dabei fällt mir auf, dass es meistens nur Schnapschüsse sind, die ich einfach nie wieder gelöscht habe. Hier mal kurz irgendetwas Skurilles, Witziges, Ungewöhnliches, Schönes festhalten, das ich sonst verpasst hätte, jetzt stattdessen aber zum ersten Mal seitdem wiedersehe. Da ein kurzer Screenshot, den ich auf Twitter oder Mastodon teile — eigentlich wollte ich doch diesen Blog dafür nutzen.

Ein bisschen sind die Fotos wie die individuelle, visuelle Reinkarnation meiner Lieblingslieder bei Spotify. Oder meine offenen Tabs in diversen Browsern. Schnell für gut genug befunden, auf Wiedervorlage gelegt, anschließend vergessen und irgendwann mit einem schlechten Gewissen, dass die FOMO wieder gewonnen hat, geschlossen, gelöscht, wieder angehört. Dass ich so einen Aufwand betreibe, um der Angst etwas entegegenzusetzen.

Auf der anderen Seite sind die Bilder Schnapschüsse meines Lebens. Ich sehe hier ein Eis, dort eine Pfütze, in der sich Bäume und die Gebäude der Umgebung spiegeln und dann ist da noch die verwackelte Zeitrafferaufnahme vom Flug in meinen letzten Urlaub. Eine gute, heiße Schokolade in Foodblogger-Optik. Ein Selfie mit Günter Oettinger. Und gleichzeitig auch ungemein persönliche Momente. Aber festhalten kann ich diese kurzen Momente nicht.

Ein bisschen sind Smartphonekamerafotos wohl das Globuli gegen die FOMO des Lebens. Und gleichzeitig sind ihr Produkt ein Katalysator zu den Erinnerungen. Und auch das ist wohl ein Blogpost, wie ihn nur ein alter weißer Mann schreiben kann. Nächster Job: Chefredakteur der BILD.

Rudeltiere

Leere Mate-Flaschen sind Rudeltiere — zumindest bei mir im Büro. Gerade war ich auf dem Weg in ein feines Mittagstief. Ha, dachte ich, kaufste dir ne Mate. Und weil ich schon mal dabei war, nahm ich mein Rudel leere Mateflaschen mit und machte mich auf den Weg zum Supermarkt um die Ecke.

Während ich da so hinlaufe, fällt mir auf, dass ich mein Portemonnaie vergessen habe. Shit, dachte ich, was machste, wenn das Pfandgeld vom Mate-Rudel nicht für das Gründungsmitglied eines neuen Rudels reicht?! Glücklicherweise lief ich als mit dem Handy in der Hand durch die Gegend. Und glücklicherweise habe ich da vor einer gefühlten Ewigkeit aus Neugier mal Apple Pay eingerichtet.

Mit dem Handy zahlen zu können, fühlt sich immer noch ein bisschen nach Magie, nach Zukunft an. Das ist einfach so geschmeidig. Als Apple Pay in Deutschland aktiviert wurde, war ich kurz versucht, das als eine Art Taschengeld zu nutzen. Jeden Monat würde ich mir zwanzig, dreissig Euro auf das entsprechende Konto überweisen und davon hier eine Mate, da eine Bretzel kaufen. Die Euphorie ist dann aber relativ schnell wieder abgeflaut.

Das alte Mate-Rudel brachte übrigens genug Geld — die Angst, der Wunsch und die Hoffnung, endlich mal wieder mit dem Handy zahlen zu können, blieb unerfüllt.

¯\(ツ)