bullshit

osstatus.com

Ich sitze gerade an einer kleinen App fürs iPhone, einer Art pretixdroid für iPhone. Da liegen noch ein paar Abende Arbeit vor mir. Unter anderem speichert die App Dinge in der Keychain. Da es das erste Mal ist, dass ich irgendetwas schreibe, das etwas in die Keychain schreibt, stolpere ich hier und da noch gelegentlich und bekomme OSStatus-Codes. Da mir die Bedeutung von „-25299“ eher weniger sagt als „The item already exists.“, habe ich mal kurz das Internet durchforstet und stieß dabei auf osstatus.com.

Gerichtstermin wegen wir-sind-afd.de

Seit dem letzten Update zu wir-sind-afd.de sind einige Monate ins Land gezogen, so wie die AfD leider in den Bundestag. Die Anwält_innen der AfD haben dann wenig später eine Klage vor dem LG Köln eingereicht. Ich werde es mir da demnächst auf der Anklagebank als Beklagter auf einem Sitzmöbelstück bequem machen dürfen.

Der Gütetermin mit anschließender erste mündlicher Verhandlung findet am 16. Januar 2018 um 13:00 Uhr im Sitzungssaal 235 des LG Köln statt. Die Verhandlung ist öffentlich. Wenn ihr also nichts Besseres zu tun habt, dann kommt doch rum und schaut euch das an. Ich freue mich sehr über Unterstützung. Weil Sicherheitskontrollen stattfinden, müsst ihr allerdings ein Ausweisdokument (Perso, Reisepass) mitbringen. Der Termin ist so wichtig, es gibt sogar eine Pressemitteilung.

Ich möchte mich an dieser Stelle nochmal bei euch für eure Solidarität und meinem anwaltlichen Beistand für den anwaltlichen Beistand bedanken. Es gilt immernoch, was ich im Mai 2017 schrieb:

In so einer Situation zu merken, dass man sowas nicht alleine durchstehen muss, tut unglaublich gut.

Weil die Frage, wie man mich unterstützen kann, schon mehrfach kam — auch dafür: Danke. — möchte ich darauf noch kurz eingehen: Im Moment habe ich alles, was ich brauche. Im worst case, sprich: Wenn die Gegenseite den Prozess gewinnt, wäre ich zum einen die Domain los, zum anderen kämen für die erste Instanz knapp 6.000€ Prozesskosten auf mich zu. Falls das passiert, müsste ich euch doch um die eine oder andere Mark bitten.

Bis dahin: Erfreut euch einfach weiterhin an Zitaten von Politiker_innen einer rechtsextremen, rassistischen, menschenverachtenden Partei, gut auffindbar unter wir-sind-afd.de.

Oh man, eine Pressemitteilung. Wie so ein Erwachsener.

Aus Scheiße Gold machen

Die ZEIT sammelt heute Verbesserungsvorschläge für die Deutsche Bahn. Das reicht von einem besseren Krisenmanagement und mehr Informationen, wenn etwas schief läuft, bis zu einer vereinfachten App.

Im Großen und Ganzen bin ich beeindruckt von der Leistung der Bahn. Natürlich gibt es hier und da durchaus Verbesserungspotential, keine Frage. Trotzdem fahre ich gerne mit dem Zug und bin dankbar, dass ich sicher und einigermaßen entspannt und pünktlich ans Ziel komme.

Worüber ich mich jedes Mal ärgere, sind die kostenpflichtigen Toiletten an Bahnhöfen. Anstatt sie selbst zu betreiben, zieht die Bahn es vor, dieses Angebot wohl aus Kostengründen von externen Partnerunternehmen anbieten zu lassen. Die bieten das sehr sichere Geschäft dann natürlich gerne an, weil Menschen einfach regelmässig pinkeln müssen. Und bereit sind, für die Befriedigung von Grundbedürfnissen Geld auszugeben.

Am Berliner Hauptbahnhof beträgt der Preis für einen Toilettenbesuch einen Euro. Dafür bekomme ich einen 50-Cent-Gutschein, den ich bei einigen Geschäften im Bahnhof einlösen kann, wenn ich Brötchen, Burger, Kaffee oder Zeitschriften für einen bestimmten Mindestbestellwert kaufe — sprich: noch mehr Geld ausgebe.

Man könnte auch sagen, dass die Firmen wc-fresh und Sanifair aus Scheiße Gold macht, weil irgendjemand sparen und Toilettenkosten auf Kund_innen umlegen wollte.

Mein Wunsch ist eigentlich ganz einfach: Liebe Bahn, macht die Toiletten bitte kostenlos. Sorgt dafür, dass sie sauber sind. Toiletten gehören für mich zum Service. Ja, es kostet Geld und ich verstehe, dass ihr, solange ihr als Privatunternehmen Geld verdienen müsst, Geld verdienen müsst. Aber mal ehrlich:

Ihr erhöht die Ticketpreise mit einer Pünktlichkeit, von der eure Züge manchmal nur träumen können. Ihr habt Geld für Bahnhöfe, deren Kosten im Nachhinein — oh Wunder! — explodieren. Geld für Tunnel unter Stuttgart. Geld für Zugstrecken von Berlin nach Nürnberg. Wie bitte? Was sagst du da? Das müsst ihr gar nicht alles selbst bezahlen, weil Steuerzahler_innen helfen? Und ausserdem gehörst du eh zu 100% dem Bund? Na großartig, dann könnt ihr es euch ja gleich umso mehr leisten, Toiletten in den Bahnhöfen kostenlos anzubieten. Oder etwa nicht?

Für nichts und wieder nichts

2013 konnte man einen Bitcoin für ungefähr 800 Euro kaufen. Damals gab es einen ersten Hype, auf dessen Höhepunkt ich ein bisschen Geld investierte. Im schlimmsten Fall würde ich das bisschen Geld verlieren, dachte ich mir, das könnte ich verkraften. Im besten Fall hätte ich halt ein bisschen verdient. Ich nahm mir vor, einfach mal zu schauen, was daraus wird.

Ein paar Tage verfolgte ich regelmässig den Kurs, dann wurde es langweilig. Ausserdem beschäftigte ich mich mit anderen Dingen: Klausuren. Lohnarbeit. Menschen. Und irgendwann habe ich meine Investition dann tatsächlich vergessen.

Mitte diesen Jahres wurde ich wieder daran erinnert: Die Kurse für Bitcoin kannten nur eine Richtung, viele Medien griffen das Thema auf und seitdem habe ich immer mal wieder einen Blick darauf geworfen. Vor ein paar Tagen habe ich bei einem Kurs von fast 12000 Euro pro Bitcoin verkauft. Mich plagte kurz ein schlechtes Gewissen, dass ich meinen Besitz und den Markt genutzt habe, um meinen Besitz zu mehren. Wie so ein gewissenloser Kapitalist.

Ein Teil des Erlöses — 2013 waren es ungefähr 6,50 Euro, ausserdem vier Jahren Zeit und Angebot und Nachfrage — habe ich genutzt, um einen Küchentisch, Handtuchhalter und einige Küchenutensilien zu kaufen. Man könnte also sagen: Ich habe für einen neuen Tisch etwas mehr als zwei Euro bezahlt.

Ausserdem habe ich es im Späti mal so richtig krachen lassen und alles gekauft, worauf ich Lust hatte: eine Pomelo, eine Spezi, Apfelsaft aus Apfelsaftkonzentrat, Orangensaft aus Orangensaftkonzentrat, eine Süßkartoffel, Nudeln, Pesto aus dem Glas und ein paar Grundnahrungsmittel haben mich 16 Euro gekostet. Später habe ich mir dann noch ein Eis gekauft.

Vor fast drei Jahren war ich in der Schweiz und habe 3,93 Euro verdient, weil die Schweizer Nationalbank die Bindung des Franken an den Euro aufgehoben hat. Damals schrieb ich:

Ich habe 3,93 Euro verdient. Was habe ich dafür getan? Nichts. Fühlt es sich richtig und gut an? Nein.

Dieses Jahre habe ich durch den Besitz von 7 Euro ungefähr 90 verdient. Was habe ich dafür getan? Ich habe vor ein paar Jahren Besitz riskiert und gewartet, sonst nichts. Fühlt es sich richtig und gut an? Nein. Immer noch nicht.

Einkaufszettl 0.6

Eine kurze Durchsage zum Einkaufszettl: Es gibt mal wieder eine neue Version im App Store.

Screenshot vom iPhone X mit dem Einkaufszettl

Das ursprüngliche Zeit war, endlich mal auf Barrierefreiheit zu achten und sie dort, wo sie fehlt, noch nachzurüsten. Heute morgen fiel mir auf, dass ich da nochmal Hand anlegen darf. Es ist beispielsweise nicht per VoiceOver ersichtlich, ob ein Produkt bereits auf der Liste steht oder schon gekauft wurde.

Eine Folge davon, für mehr Barrierefreiheit zu sorgen, war, dass man nun in der App wählen kann, ob man sie wie bisher mit der Wischgeste bedienen möchte oder die Dinge lieber antappt, um sie auf den Einkaufszettl zu schreiben oder sie als gekauft zu markieren. Die App einzig und alleine mit der Wischgeste zu bedienen, habe ich zumindest mit VoiceOver nicht geschafft.

Ende der Durchsage.

60 Euro. Bedauerlicherweise.

Ich stieg vorhin in eine Regionalbahn. Dort lächelte mich ein Aufkleber des Verkehrsverbundes zum Thema Fahren ohne Fahrschein an:

Es hat sich nie weniger gelohnt. Nach den Gemeinsamen Beförderungsbedingungen müssen wir diesen Betrag (60€) von Ihnen erheben, wenn Sie öffentliche Verkehrsmittel ohne gültigen Fahrschein benutzen.

Mich machen hier zwei Sachen traurig:

  1. Die Formulierung. Sie erweckt den Eindruck, dass es der Bahn leid täte, würde sie mich ohne gültigen Fahrschein erwischen. Eigentlich wollen sie mir dafür keine 60 Euro abknöpfen, seien aber aufgrund der Beförderungsbedingungen bedauerlicherweise dazu verpflichtet. Wenn es euch leid tut, dann setzt euch dafür ein, die gemeinsamen Beförderungsbedingungen zu ändern.
  2. Die Tatsache, dass das Benutzen des ÖPNV ohne Fahrschein 60 Euro kostet. Ein fahrscheinloser ÖPNV ist Teil einer Welt, in der ich gerne leben würde. 2013 schätzte man die Kosten dafür deutschlandweit auf rund 12 Milliarden Euro. Jährlich. Grob überschlagen wären das pro Kopf in Deutschland und Monat etwa 12 Euro. Dass wir uns das leisten können, das steht ausser Frage. Wenn wir uns Monatstickets leisten können, können wir uns auch 12 Euro im Monat leisten, wenn man den fahrscheinlosen ÖPNV nicht über Steuern finanzieren könnte. Natürlich müsste massiv in Infrastruktur investiert werden, aber das wäre etwas, wovon alle profitieren würden. Es sollte uns das wert sein.

miniflux + unread

Vor ein paar Tagen änderte sich wieder einmal alles.

Was bisher geschah

Zumindest, was mein Setup zum Lesen von RSS-Feeds betrifft. Bisher verwendete ich dafür über mehrere Jahre hinweg Tiny Tiny RSS — kurz: tt-rss — auf einem Uberspace, um diverser Feeds abzugrasen. Zum Lesen nutzte ich auf dem Mac, nachdem die Entwicklung von microRSS, einem Desktop-Client für tt-rss Mitte 2015 eingestellt worden war, die Weboberfläche von tt-rss. Für das iPhone hatte ich mir vor Ewigkeiten eine App namens „tiny Reader RSS“ gekauft, die ich seitdem verwendete.

Dieses System war nicht perfekt, es gab durchaus Sachen, die echt genervt haben. So störte mich an der App beispielsweise, dass sie jedes Mal, wenn sie in den Vordergrund kam, eine Aktualisierung anstieß. Wenn du in der Berliner Ubahn bist, ist das echt nervig. Auch die Wischgesten in tiny RSS waren nervig, ebenso die Tatsache, dass die Originalansicht der Artikel in der App und nicht mittels Safari implementiert war.

Ich konnte auch nicht sagen, dass die Weboberfläche von tt-rss umwerfend war. Sie war okay. Aber der pain in the ass war nie groß genug, um etwas zu ändern oder mich nach etwas Neuem umzuschauen. Stattdessen gewöhnte ich mich größtenteils an die Nachteile. Erspart euch das. #fürwenigernervimleben

Als Leah dann vor einigen Tagen ausgrub, welche Kategorien es im Forum von tt-rss gibt, Cheatha nachfragte und der Entwickler von tt-rss sich wie ein Arschloch benahm, sah ich den Zeitpunkt gekommen, mein Feedreader-Setup mal so zu überdenken, dass es nicht mehr auf tt-rss aufbaute.

Was ich will/brauche/will

Ich lese meine Feeds selbstverständlich absolut nie im Büro, dafür auf Toilette, in der Ubahn, im Bett, in Wartezimmern. Ich hätte also gerne eine Lösung, die eine iOS-App, die nicht bei jedem Aufruf alle Feeds synchronisiert, und eine zweckmässige, idealerweise hübsche Weboberfläche enthält. Wenn es noch einen nativen Client für den Mac gibt, sage ich auch nicht nein. Noch dazu wäre es schön, wenn die Lösung beispielsweise stündlich die Feeds abgrast.

Idealerweise ist das ganze Open Source und ohne großen Aufwand auf einem Uberspace installierbar. Und wenn es was kostet, ist das auch in Ordnung, schließlich nutze ich das täglich im Büro, auf Toilette, in der Ubahn, im Bett, in Wartezimmern.

Was ich mir angeschaut habe

Ich liebäugelte anfangs auch mit Diensten wie Feedwrangler, NetNewsWire, Feedly oder Feedbin, nahm dann aber relativ schnell wieder Abstand, weil ich eben etwas Selbstgehostetes haben wollte oder sie wie NetNewsWire nicht über ein Webinterface verfügten. Wenn ich mich eines Tages nicht mehr selbst um die Wartung kümmern möchte, komme ich darauf vielleicht zurück, fürs Erste waren die raus.

Andere Kandidaten waren miniflux, Stringer und selfoss, wobei ich selfoss hässlich fand und deswegen nur Stringer und miniflux in die engere Auswahl kamen.

Kandidaten für die iOS-App waren Unread und Reeder. felix schwenzel, der seit einem jahr ebenfalls miniflux nutzt, hat dazu vor geraumer zeit mal einen artikel geschrieben. Beide Apps können an verschiedene APIs gehängt werden, unter anderem auch an die Fever API, die viele Open Source-RSS-Services implementieren.

Wie es jetzt aussieht

Weil ich irgendwann aufgab, Stringer auf einem Uberspace installieren zu wollen, also quasi aus meiner eigenen Inkompetenz — vielleicht schafft es jemand, der*die mehr Ahnung als ich hat — wurde es schlussendlich miniflux.

Als App für das iPhone habe ich mich für Unread entschieden, unter anderem deshalb, weil die App eine Testphase anbietet: Bevor ich Geld ausgebe, kann ich 50 Artikel lesen. Ich war anfangs skeptisch, ob das reicht, aber um ein Gefühl für die App zu kriegen und mich zu überzeugen, war es genug: Ich gab die 8,99€ aus.

Dass es mit dem IAP ein paar mehr Themes in der App gibt, ist nett, aber mir reichen im Grunde zwei:

Day-Theme, Night-Theme

Mit das Beste an Unread im Vergleich zu tiny RSS ist die Tatsache, dass Unread die Synchronisierung der Feeds wesentlich eleganter im Hintergrund hinbekommt, sie offline vorhält und ich meine Feeds so auch in der Berliner Ubahn lesen kann. Ausserdem sind die Wischgesten ordentlich und nachvollziehbar implementiert und die ganze UX ist nicht so kacke.

Ich bin alles in allem zufrieden damit. Wie es langfristig funktioniert, wird sich zeigen.

Wo ich auch Hürden gestoßen bin

Die einzige Hürde, die mir auffiel, war die Installation von miniflux. Zwar lässt sich miniflux auch mit MySQL betreiben, wenn man das in der Konfigurationsdatei konfiguriert, aber die MySQL-Version meines Uberspace war zu alt. Das fand ich raus, weil ich bei der Installation von miniflux Encoding-Fehler sah. Lösung des Problems: Du willst MariaDB auf deinem Uberspace nutzen. Dann klappt es auch mit der Installation.

Ansonsten:

Was ich gut finde

Das jetzige Setup erledigt einfach seinen Job: Es lässt mich meine Feeds überall da lesen, wo ich möchte. Es nervt dabei nicht, es sieht dabei gut aus, Updates für miniflux lassen sich relativ problemlos einspielen und auch Unread wird regelmässig vom Entwickler aktualisiert.

Womit ich nicht zufrieden bin

Das Bindeglied zwischen App und miniflux ist wie geschrieben die Fever API. Damit fühle ich mich tatsächlich ein bisschen unwohl, weil Fever seit einigen Jahren nicht mehr weiterentwickelt wird. Und somit kümmert sich auch niermand um die API. Wenn der Entwickler von Unread sich jetzt entscheidet, die Fever API nicht mehr zu unterstützen, habe ich ein Problem. Wenn die Entwickler*innen von miniflux sich jetzt entscheiden, die Fever API nicht mehr zu unterstützen und stattdessen lieber an miniflux 2 arbeiten, habe ich ein Problem.

Wenn es soweit ist, sehe ich weiter. Notfalls lerne ich PHP oder muss mir dann doch mal meinen eigenen Feedreader fürs iPhone schreiben.

Wie sieht dein RSS-Setup aus? Hast du Fragen?

XNetflixions - Gastbeitrag bei condomsbydefault.de

Vor knapp einer Woche habe ich einen Gastbeitrag für Condoms by Default geschrieben. Er ist tendentiell leider eher NSWF, was aber weniger mit dem Inhalt, als vielmehr mit dem, was W als SFW ansieht, zu tun hat: Der Blogpost beschäftigt sich mit dem Thema, warum wir so wenig über Pornos und Sex reden. Und um Netflix geht es auch. Und um faire Pornos. Oh je, jetzt werde ich bestimmt nie wieder einen anderen Job finden. Wir sollten mal dringend über Pornos reden und darüber, was als NSFW angesehen wird.

Die Idee, bei Djure einen Gastbeitrag zu veröffentlichen, hatte ich ein paar Tage vorher, den Mut, ihn anzusprechen, irgendwann nachts. Anfangs war ich mir unsicher, ob ich meinen Namen unter den Blogpost setzen möchte oder ob es nicht doch besser wäre, das ganze unter falschem Namen zu veröffentlichen. Als ich dann diesen Blogpost schrieb, dachte ich mir: „Du kannst dir nicht zum einen mehr Offenheit wünschen und dich dann hinter einem Pseudonym verstecken.“

Das war dann auch der Grund, warum da jetzt mein Name drüber steht. Dabei habe ich gemerkt, dass ich eigentlich sehr gerne blogge. Das merke ich aber so ziemlich jedes Mal, wenn ich schreibe.

Lieber Djure, vielen Dank, dass ich den Gastbeitrag bei dir verfassen durfte.

Life Is Strange

filters: [markdown+mathml]

Am Wochenende — das dauerte dieses Mal von Donnerstag bis Dienstag, gerne mehr davon — habe ich das erste Mal Life is Strange gespielt, bisher habe ich die erste Episode geschafft. Mir gefällt die Musik unglaublich gut, eigentlich könnte man das Spiel starten, im Hauptmenü verweilen und einfach nur der Musik lauschen. Aber dann würde man ihm Unrecht tun.

In dem Spiel hat man Zugriff auf eine Art Tagebuch von Max, der Hauptfigur, in dem diverse Informationen abrufbar sind, unter anderem gibt es Interessantes zu den Charakteren zu lesen. Auf der Seite, die Warren beschreibt, sind einige mathematische Gleichungen zu sehen, beginnend mit:

${x-1}/4 - 4/(x-1)=0$

Als ich das sah, war mein Interesse geweckt. Auch wenn ich Informatik studiert habe, war ich nie besonders gut in Mathe. Es hat mir meistens Spaß gemacht, aber ich war eben nie besonders gut. Statistik und Stochastik sind mir bis heute beispielsweise ein Rätsel. Ich hatte das Bedürfnis, die Gleichung aus dem Spiel zu lösen — das, was in dem Buch stand, konnte nicht stimmen. Also kramte ich in meinem Kopf in einer Kiste mit der Aufschrift „Mathe 10. Klasse“ und begann, die beiden Brüche auf einen Nenner bringen, in dem ich jeden Bruch mit dem Nenner des anderen erweiterte:

$((x-1)(x-1))/(4(x-1)) - (4*4)/((x-1)4) = 0 $

Danach ziehe ich beide Brüche auf einen Bruchstrich ...

$((x-1)(x-1)-16)/(4(x-1)) = 0$

... um anschliessend die zweite binomische Formale auszumultiplizieren

$(x^2-2x+1-16)/(4(x-1))=0$

Nun multipliziere ich beide Seiten der Gleichung mit $4(x-1)$, um den Bruch aufzulösen.

$x^2-2x+1-16=0 => x^2-2x-15=0$

Diese beiden Schritte hätte ich auch in umgekehrter Reihenfolge machen können.

Hört ihr das? Wir haben eine quadratische Gleichung, die nach der pq-Formel mit $p=-2, q=-15$ schreit.

Wir müssen noch überprüfen, ob die Diskriminante $D$ negativ ist: $D=p^2-4q; p=-2, q=-15 => D = 4-4*(-15) = 4+60=64$, passt also, her mit der normalen pq-Formel.

Der Rest ist einsetzen und ausrechnen oder einen Taschenrechner bemühen:

$x_{1,2} = (-p)/2 ± sqrt{(p/2)^2-q}; p=-2, q=-15$

$x_{1,2} = 2/2 ± sqrt{(-2/2)^2+15}$

$x_{1,2} = 1 ± sqrt{(-1)^2+15}$

$x_{1,2} = 1 ± sqrt{16}$

$x_{1,2} = 1 ± 4$

$x_1 = 5, x_2 = -3$

$q.e.d.$

In die Ursprungsgleichung eingesetzt, ergeben sowohl $x_1$, als auch $x_2$ eine wahre Aussage. Diese Rechnung weicht ein bisschen von der aus dem Spiel ab. Da mir im Matheunterricht regelmässig Flüchtigkeits- und/oder Vorzeichenfehler unterlaufen sind, war ich immer noch skeptisch. Ich schoss mit Kanonen auf Spatzen und schmiss ein CAS an. Auch das bestätigte mir meine beiden Ergebnisse und ich war zufrieden.

Screenshot vom CAS

Warum die Gleichung mit Rechenfehlern auf der Seite von Warren in Max' Tagebuch stehen? Keine Ahnung, aber vielleicht erfährt man das irgendwann in einer der anderen Episoden.

Ich male mir die Welt

Im Moment habe ich den Eindruck, dass progressive Menschen – ich zähle mich dazu – zu viel auf rechte Provokationen und Ideen reagieren. Es ist wichtig, sich rechten Menschen und ihren Ideen entgegenzustellen und ihnen zu zeigen, dass ihre Ansichten nicht willkommen sind. Gleichzeitig habe ich den Eindruck, dass wir zu wenig konstruktiv agieren, aber über jedes Stöckchen, das Rechte uns hinhalten, springen.

Auch Susanne von Literaturschock twitterte etwas ähnliches:

Wie wäre es, wenn wir endlich mal agieren, anstatt immer zu reagieren? Lasst uns endlich die Initiative ergreifen und selbst Themen machen! https://t.co/VyYG2MXTQ7

— Literaturschock (@literaturschock, 18. September 2017

Wir müssen uns für Menschlichkeit rechtfertigen. Menschen müssen sich dafür rechtfertigen, dass sie andere Menschen vor dem Ertrinken bewahren. Eigentlich sollten sich Menschen für Unmenschlichkeit rechtfertigen und verantworten müssen. Dafür, dass sie Menschen in den Tod schicken. Wir widerlegen Aussagen von Alice Weidel, während sie schon wieder die nächsten tätigt und Ängste und Vorurteile nutzt, um Wähler_innenstimmen zu bekommen.

Dieser Blogpost ist quasi eine Folge meiner Session vom diesjährigen Barcamp in Stuttgart. Dort stand folgende Frage zur Diskussion: In was für einer Welt wollen wir leben, wenn Fakten keine Rolle spielen? Und warum? Mit „Welt“ war „Welt“ im Sinne von „Gesellschaft“ gemeint. Dass wir auf unseren blauen Planeten achten müssen, das versteht sich von selbst. Ohne Planet keine Gesellschaft.

Auf dem Barcamp fand sich eine kleine, feine Runde zusammen, die darüber diskutierte. Wir hatten leider mehr als einmal das Problem, dass wir nicht mehr über die ideale Welt diskutierten, sondern darüber, was heute schief läuft.

Auch wenn wir am Schluss genau dahin abgedriftet sind, war es eine sehr interessante Session. Ich möchte euch auf diesem Weg für die Teilnahme und den Austausch danken.

Im Folgenden möchte ich gerne umreißen, in was für einer Gesellschaft ich gerne leben würde. Sie ist nicht perfekt, geschweige denn detailliert, vollständig oder gar bis zum Schluss durchdacht. Vielmehr stellt dieser Blogpost den Versuch dar, einen Gegenentwurf zu der Welt, wie Rechte/Konservative/... sie sich vorstellen, zu formulieren. Er ist keine Antwort und keine Anleitung, sondern vielmehr eine Sammlung loser Gedanken und Wünsche.

Es gibt wesentlich klügere Menschen als mich und ich würde mich freuen, wenn du dir ebenfalls Gedanken dazu machst, in was für einer Welt du leben möchtest. Schreibe doch einen eigenen Blogpost oder verfasse einen Kommentar.

Keine Grenzen

Grenzen gibt es generell zu viele. Manche sind räumlicher oder geographischer Natur, andere menschlicher. Einige sind sinnvoll, viele konstruiert. Ich würde mir wünschen, dass wir zum Wohle aller daran arbeiten, Grenzen, die trennen, miteinander zu überwinden.

Ich will in einer Welt leben, in der jeder Mensch leben kann, wo oder wie er_sie leben möchte. Niemand kann beeinflussen, wo er_sie geboren wurde, trotzdem wird er_sie heute dafür verantwortlich gemacht.

Dort, wo du lebst, herrscht Krieg? Du sollst keine Angst haben müssen, mit deiner Familie dorthin zu gehen, wo Frieden herrscht. Du sollst keine Angst haben müssen, zurück in den Krieg geschickt zu werden. Dort, wo du lebst, herrschen Hunger oder Armut? Wenn dir keine_r hilft, sollte dich niemand daran hindern, dorthin zu gehen, wo es genug zu essen gibt. Du sollst keine Angst haben müssen, dorthin zurück geschickt zu werden, wo Armut oder Hunger herrschen. Dort, wo du lebst, gefällt es dir einfach nicht? Du sollst dahin gehen können, wo es dir mehr zusagt.

Ich will in einer Welt leben, in der auf Inklusion und Barrierefreiheit geachtet wird und sie konsequent umgesetzt werden. Ich will in einer Welt leben, in der niemand diskriminiert wird. In der jeder Mensch die gleichen Rechte genießt, unabhängig davon, wo oder wie er_sie lebt. Ich möchte in einer Welt leben, in der jeder Mensch alleine aufgrund der Tatsache, dass er_sie ein Mensch ist, Rechte genießt, die ihm_ihr nicht abgesprochen werden können.

Ich will in einer Welt leben, in der Freiheit höher gehalten wird als Sicherheit. Gleichzeitig möchte ich in einer Welt leben, in der jede_r die Grenzen seines_ihres Gegenübers respektiert.

Solidarität und Mitmenschlichkeit

Wir müssen alle mehr miteinander reden.

Ist alles okay, Alter, biste glücklich mit deinem Leben

— Veedle Kaztro, Mehr Glück als Verstand

Ich möchte in einer Welt leben, in der Menschen nicht nur die Grenzen der Mitmenschen, sondern auch auf die Mitmenschen achten. Mit ihnen reden. Nachfragen. Bedingungslos Hilfe anbieten. Und dann bedingungslos helfen.

Niemand sollte Angst haben müssen, nach Hilfe zu fragen. Niemand sollte sie einem Menschen verwehren können. Ich möchte in einer Welt leben, in der Leistung nicht erwartet oder gefordert, aber gewürdigt wird. Ich möchte in einer Welt leben, in der jede_r gibt, was er_sie kann, und sich das nimmt, was er_sie benötigt. Es gibt genug.

Ich möchte in einer Welt leben, in der man einander vertraut. Gemeinsam Probleme löst. In der ich meine Haustür nicht abschließen muss. In der niemand Angst haben muss. Ich möchte in einer Welt leben, in der die Menschen mutig sind. Sich trauen, neue Dinge auszuprobieren und ein Scheitern nicht als Fehlschlag, sondern als Wissen wahrnehmen und miteinander teilen.

Dass Menschen durch ein bedingungsloses Grundeinkommen genau dazu motiviert werden sollen, neue Dinge zu erproben, kam natürlich auch zur Sprache. Torsten formulierte in Hinblick darauf:

Eine Gesellschaft sollte sich mit dem Gedanken anfreunden, einige Menschen, die nichts leisten können, ohne Bedingung versorgen zu können.

Wir können das. Ohne Probleme. Es scheitert eher am Wollen. Es ist leider keine Frage der Finanzen, sondern mangelnder Mitmenschlichkeit.

Für mich gehört dazu auch, dass Menschen unterschiedlich viel Hilfe benötigen und erhalten und sich niemand beschwert, dass jemand anderes mehr bekommt. Wir sind alle unterschiedlich. Menschen, denen das Leben mehr Steine als anderen in den Weg gelegt hat, sollten andere Menschen keine zusätzlichen in den Weg legen, sondern helfen, die vorhandenen zu entfernen.

Auch das hat wieder mit Grenzen zu tun: Jemand legt dir Steine in den Weg oder grenzt dich aus? Lass uns die Steine gemeinsam aus deinem Weg räumen und die Grenze einreißen.

Sharing Society

Ich möchte in einer Welt leben, in der Besitz und Eigentum geteilt wird. Artikel 14, Absatz 2 GG beschreibt es sehr schön:

Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.

Ich habe den Eindruck, dass Eigentum momentan eher dem Wohle Einzelner als dem der Allgemeinheit dient. Was aktuell (noch) nicht gut ist, war und ist aber nicht Thema dieses Beitrags.

Ich fände es schön, wenn Menschen selbstlos ihren Besitz der Allgemeinheit zur Verfügung stellen würden, ohne eine Gegenleistung – sei es Geld, Gefallen oder Dinge – dafür zu verlangen, weil sie wissen, dass ihnen, wenn sie etwas benötigen, das sie nicht haben, geholfen wird.

Natürlich kann man nicht alles teilen. Beispielsweise möchte ich nicht, dass jemand in meinen persönlichen Erinnerungsgegenständen wühlt. Die Grenze dessen, was geteilt werden kann, zu dem, was nicht geteilt werden sollte, ist schwer zu ziehen. Am ehesten kommt mir da die persönliche Grenze einer_s jeden Einzelnen in den Sinn.

Ich möchte in einer Gesellschaft leben, in der Krankenhäuser, Bildungseinrichtungen, Netze (Strom, Wasser, Abwasser, Gas, Kommunikation, Verkehr, etc.) allen gehören. Jeder Mensch sollte sie nutzen dürfen. Ich finde es schwierig, dass mit gewissen Dingen Geld verdient wird. Gesundheit, Bildung und Mobilität dürfen keine Frage des Geldes sein.

So wir uns Leitern, ein bisschen Mehl oder ein Bügeleisen von unseren Nachbar_innen leihen, sollten wir mehr miteinander teilen.

Ruhe, Besonnenheit und Verantwortung

In meiner idealen Welt stellt Lautstärke kein Argument dar. Die Menschen denken in Ruhe nach, sie diskutieren, sie streiten, sie sind sich uneinig, aber sie arbeiten auf einen Konsens hin. Sie spalten nicht. Sie handeln besonnen.

Sie vertrauen einander und stellen niemanden unter Generalverdacht. Sie achten die Unschuldsvermutung.

Gleichzeitig übernehmen sie freiwillig die Verantwortung für ihr Handeln. Ich möchte in einer Welt leben, in der niemand dem_der Anderen schadet. Ich will in einer Gesellschaft leben, in der Menschen vergeben.

Und menschlich sind.